Call-Optionen erfolgreich handeln

Call-Optionen erfolgreich handeln

Veröffentlicht: 24.05.2022 | Aktualisiert: 02.09.2026

Autor: TOBIAS SCHMID | Trader / Anleger / Börsenexperte

Veröffentlicht: 24.05.2022 Aktualisiert: 02.09.2026

Autor: TOBIAS SCHMID | Trader / Anleger / Börsenexperte

Optionen – Grundlagen

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Optionsstrategien

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Call-Optionen sind börsengehandelte Terminkontrakte, die das Recht zum Kauf einer Aktie, eines ETFs oder eines anderen Underlyings verbriefen.

Du kannst aber nicht nur durch den Kauf einer Call-Option von steigenden Kursen profitieren; ebenso kannst Du Calls verkaufen und damit Prämieneinnahmen generieren.

Was ist überhaupt eine Call-Option? Wie funktionieren Calls genau? Und welches sind die meiner Erfahrung nach besten Strategien mit Call-Optionen für private Trader? All das erfährst Du in diesem Artikel.

Was ist eine Call-Option?

Ein Call ist eine Kaufoption. Sie gibt Dir das Recht, einen bestimmten Basiswert wie eine Aktie, einen ETF oder einen Rohstoff-Future an einem oder bis zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem vorher definierten Preis zu kaufen.

Für dieses Recht zahlst Du als Käufer eine Optionsprämie. Der Verkäufer der Call-Option erhält diese Prämie, übernimmt dafür aber die Pflicht, den Basiswert zum vereinbarten Preis zu verkaufen, falls Du die Option ausübst.

Da es sich bei Call-Optionen um echte Terminkontrakte handelt, kannst Du diese sowohl kaufen als auch verkaufen. Das bedeutet, Du kannst Call-Optionen auch verkaufen und damit Prämieneinnahmen erzielen. (Mehr dazu weiter unten.)

Rechte und Pflichten beim Handel von Calls

Der Käufer einer Call-Option hat das Recht, nicht aber die Pflicht, einen Basiswert (Underlying) zu einem bestimmten Preis (Basispreis/Strike) zu kaufen. Je nach Art der Option, kann der Käufer dieses Recht entweder nur am Verfallstermin der Option wahrnehmen, oder während der gesamten Laufzeit.

Der Verkäufer einer Call-Option hat die Pflicht – falls der Käufer sein Recht wahrnimmt und die Option ausübt – das Underlying zum vereinbarten Preis (Basispreis/Strike) zu „liefern“ bzw. an den Käufer zu verkaufen.

Wie funktioniert ein Call (einfach erklärt)?

Angenommen, eine Aktie notiert aktuell bei 100 EUR. Du gehst davon aus, dass die Aktie in den nächsten Wochen deutlich steigen wird, möchtest aber nicht direkt 100 Aktien kaufen. Stattdessen kaufst Du eine Call-Option mit einem Strike von 105 EUR und einer Laufzeit von 30 Tagen. Für dieses Recht zahlst Du eine Optionsprämie von beispielsweise 200 EUR.

Angenommen die Aktie steigt nun auf 120 EUR, gewinnt Dein Call an Wert, da Du theoretisch das Recht hast, die Aktie für 105 EUR zu kaufen, obwohl sie am Markt bereits 120 EUR kostet. Du könntest die Option ausüben oder sie vor dem Verfall mit Gewinn verkaufen. Fällt die Aktie hingegen oder bleibt unter dem Strike, verfällt die Option im schlechtesten Fall wertlos und Dein Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt.

Hinweis

Bei Aktienoptionen bezieht sich ein Standardkontrakt meist auf 100 Aktien. Kostet der Call im Beispiel insgesamt 200 EUR, entspricht das 2 EUR je Aktie. Der Break-even liegt dann bei 107 EUR: Strike 105 EUR plus 2 EUR Optionsprämie, jeweils vor Gebühren und Steuern.

Beispiel für den Verkauf einer Call-Option

Auf der anderen Seite kannst Du auch der Verkäufer des Calls sein. Du erhältst die Optionsprämie und spekulierst darauf, dass die Aktie nicht stark genug steigt und die Option wertlos verfällt. In diesem Fall darfst Du die vereinnahmte Prämie behalten. Verkaufst Du den Call auf Aktien, die Du bereits besitzt, spricht man von einem Covered Call. Damit kannst Du Zusatzeinnahmen erzielen, begrenzt aber gleichzeitig Dein Gewinnpotenzial, da Du die Aktien bei Ausübung zum Strike verkaufen musst.

Optionsstrategien mit Call-Optionen

Mit Call-Optionen kannst Du je nach Markterwartung ganz unterschiedliche Strategien umsetzen. Du kannst Calls kaufen, um von steigenden Kursen zu profitieren, oder Calls verkaufen, um Prämieneinnahmen zu erzielen. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, ob Du eher steigende, seitwärts laufende oder nur moderat steigende Kurse erwartest.

Long Call: Der Kauf einer Call-Option

Als Long Call bezeichnet man den Kauf einer Call-Option. Damit setzt Du auf steigende Kurse des Basiswerts. Steigt die Aktie oder der ETF deutlich genug über den Strike, gewinnt die Option an Wert und Du kannst sie mit Gewinn verkaufen oder ausüben.

Experten-Tipp

In der Praxis würde ich bei einem Long Call nicht nur auf den erwarteten Kursanstieg achten, sondern insb. auch auf den Zeitwertverfall und die implizite Volatilität. Ein Call kann trotz richtiger Marktrichtung an Wert verlieren, wenn die Aktie nicht schnell genug steigt oder die Volatilität fällt.

Der größte Vorteil liegt darin, dass Dein maximaler Verlust auf die gezahlte Optionsprämie begrenzt ist, während Dein Gewinnpotenzial theoretisch sehr hoch sein kann. Gleichzeitig profitierst Du von der Hebelwirkung, da Du mit vergleichsweise wenig Kapitaleinsatz an einer Kursbewegung partizipierst.

Der Nachteil: Die Zeit arbeitet gegen Dich. Bleibt der Kurs unter dem Strike oder steigt nicht schnell genug, verliert der Call durch den Zeitwertverfall an Wert und kann am Ende wertlos verfallen.

Short Call: Der Verkauf einer Call-Option

Als Short Call bezeichnet man den Verkauf einer Call-Option. Damit setzt Du darauf, dass der Basiswert bis zum Verfall nicht deutlich über den Strike steigt. Für den Verkauf des Calls erhältst Du sofort eine Optionsprämie, die Du behalten darfst, wenn die Option wertlos verfällt oder günstiger zurückgekauft werden kann.

Der größte Vorteil liegt darin, dass Du durch den Verkauf von Calls regelmäßige Prämieneinnahmen erzielen kannst. Besonders interessant ist das, wenn Du eine neutrale bis leicht fallende Markterwartung hast oder Calls auf Aktien verkaufst, die Du bereits im Depot hältst.

Der Nachteil: Verkaufst Du einen Call ohne den Basiswert zu besitzen, ist das Risiko theoretisch unbegrenzt, da der Kurs des Underlyings stark steigen kann. In diesem Fall müsstest Du die Option teuer zurückkaufen oder den Basiswert zum Strike liefern. Deshalb eignen sich ungedeckte Short Calls nur für sehr erfahrene Trader mit konsequentem Risikomanagement.

Hinweis

Ein Short Call ist fachlich klar vom Covered Call zu trennen. Beim ungedeckten Short Call besitzt der Verkäufer den Basiswert nicht; dadurch kann das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt sein und es können erhebliche Verluste und Marginanforderungen entstehen.

Covered Call: Aktie kaufen plus Zusatzeinnahme

Ein Covered Call entsteht, wenn Du eine Aktie bereits im Depot hältst und zusätzlich eine Call-Option auf genau diese Aktie verkaufst. Du bist also durch den Aktienbestand „gedeckt“, weil Du die Aktien im Fall einer Ausübung liefern kannst.

Für den Verkauf des Calls erhältst Du sofort eine Optionsprämie. Diese Prämie darfst Du behalten, unabhängig davon, wie sich die Aktie anschließend entwickelt. Im Gegenzug verpflichtest Du Dich allerdings, Deine Aktien zum vereinbarten Strike zu verkaufen, falls der Käufer der Call-Option sein Recht ausübt.

Experten-Tipp

Bei Covered Calls habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Einsteiger vor allem die Prämieneinnahme sehen. Der wichtigere Punkt ist jedoch die Frage: Bin ich wirklich bereit, die Aktie zum gewählten Strike abzugeben, auch wenn sie danach deutlich weiter steigt?

Beispiel für den Handel eines Covered Calls

Ein einfaches Beispiel: Du besitzt 100 Aktien zu je 50 EUR und verkaufst darauf einen Call mit einem Strike von 55 EUR. Dafür erhältst Du eine Prämie von 150 EUR. Bleibt die Aktie bis zum Verfall unter 55 EUR, verfällt der Call wertlos und Du behältst sowohl Deine Aktien als auch die Prämie. Steigt die Aktie dagegen über 55 EUR, musst Du spätestens am Verfallstermin der Option Deine Aktien zu 55 EUR verkaufen. Zusätzlich behältst Du aber auch hier die zuvor die vereinnahmte Prämie.

Vorteil und Nachteile eines Covered Calls

Der Vorteil eines Covered Calls liegt darin, dass Du mit Aktien, die Du ohnehin hältst, zusätzliche Einnahmen erzielen kannst. Besonders sinnvoll ist diese Strategie, wenn Du kurzfristig nur mit moderat steigenden, seitwärts laufenden oder leicht fallenden Kursen rechnest.

Der Nachteil: Dein Gewinnpotenzial ist nach oben begrenzt. Steigt die Aktie stark über den Strike, profitierst Du nur bis zum vereinbarten Verkaufspreis (Strike) plus der erhaltenen Prämie. Dafür reduzierst Du durch die Prämieneinnahme leicht Dein Risiko auf der Unterseite.

Hinweis

Ein Covered Call reduziert das Verlustrisiko der gehaltenen Aktie nur um die vereinnahmte Prämie. Fällt die Aktie stark, kann der Verlust aus der Aktienposition die erhaltene Optionsprämie deutlich übersteigen.

So handle ich mit Call-Optionen – Meine Lieblingsstrategien

Experten-Tipp

Im Laufe der Jahre habe ich so ziemlich jede Optionsstrategie gehandelt, die es gibt. Meine Erfahrung: Gerade die einfachsten Strategien liefern häufig die besten Ergebnisse, weil sie klar verständlich sind, sich konsequent umsetzen lassen und weniger Fehlerquellen bieten.

Deshalb nutze ich hauptsächlich die folgenden Strategien:

Covered Call

Der Covered Call ist eine meiner absoluten Lieblingsstrategien im Optionshandel. Wie oben beschrieben, kombinierst Du dabei eine bestehende Aktien- oder ETF-Position mit regelmäßigen Prämieneinnahmen und kannst dadurch auch in seitwärts laufenden oder moderat steigenden Märkten zusätzliche Rendite erzielen.

Damit Du einen Covered Call langfristig erfolgreich handeln kannst, sind meiner Erfahrung nach insbesondere die folgenden Punkte wichtig:

  • Analyse des breiten Marktes: Ein Covered Call funktioniert am besten in einem stabilen Bullenmarkt oder in einem Marktumfeld, in dem Du zumindest nicht mit stark fallenden Kursen des gesamten Aktienmarktes rechnest. Hierfür benötigt es einen zuverlässigen Analyse-Prozess.
  • Systematische Aktienauswahl: Ich bevorzuge liquide Qualitätsaktien, die technisch und fundamental stark sind, die ich grundsätzlich auch längerfristig im Depot halten würde und bei denen die Optionsprämien attraktiv genug sind.
  • Anpassung der Regeln an das Marktumfeld: Je nach Sentiment, Trendstärke und Gesamtmarkt-Umfeld passe ich Strike, Laufzeit und Positionsgröße konsequent an.

Bear Call Spread

Ein Bear Call Spread ist eine Optionsstrategie für neutral bis fallend erwartete Märkte. Dabei verkaufst Du eine aus dem Geld liegende (Out Of The Money) Call-Option oberhalb des aktuellen Kurses; gleichzeitig kaufst Du eine Call-Option mit einem noch höheren Strike auf dasselbe Underlying und denselben Verfallstermin. Die verkaufte Call-Option bringt Dir eine Prämie ein, während der gekaufte Call Dein Risiko nach oben begrenzt.

Ich handle den Bear Call Spread gerne an den Futures-Märkten, um darauf zu spekulieren, dass ein Rohstoff, eine Währung oder ein anderes Underlying bis zum Verfall nicht über einen bestimmten Kurs ansteigen wird. Der maximale Gewinn entsteht, wenn beide Calls wertlos verfallen und Du die vereinnahmte Nettoprämie behalten kannst.

Damit ein Bear Call Spread langfristig sinnvoll eingesetzt werden kann, sind meiner Erfahrung nach vor allem die folgenden Punkte wichtig:

  • Hohe implizite Volatilität: Je höher die implizite Volatilität, desto attraktiver sind häufig die Optionsprämien. Dadurch kann der Bear Call Spread mit einem besseren Chance-Risiko-Verhältnis aufgesetzt werden.
  • Fundierte Marktanalyse: Ich setze diese Strategie nur ein, wenn ich eine klare Einschätzung zum jeweiligen Markt habe und nicht nur „blind“ Prämien verkaufe.
  • Charttechnik: Wichtige Widerstände, Trendlinien und Kurszonen helfen mir dabei, den Short Strike so zu wählen, dass er oberhalb relevanter Marken liegt.
  • Saisonalität und COT-Daten: Gerade bei Rohstoffen und Währungen achte ich zusätzlich auf saisonale Muster und die Positionierung großer Marktteilnehmer, um die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anstiegs besser einschätzen zu können.

Long Call

Den Long Call erachte ich grundsätzlich nicht als sinnvolle Standardstrategie, um auf steigende Kurse zu spekulieren. Der Nachteil des Zeitwertverlustes wiegt aus meiner Sicht zu schwer. Du musst nicht nur die Marktrichtung korrekt „vorhersagen“, sondern benötigst zudem ein sehr gutes Timing. Selbst wenn Deine Einschätzung grundsätzlich richtig ist, entsteht ein Gewinn häufig nur dann, wenn sich die Aktie anschließend schnell und stark genug bewegt.

Langfristig halte ich den reinen Kauf von Calls deshalb eher für ein Losers Game. Viele Trader unterschätzen, wie stark Zeitwertverfall und fallende implizite Volatilität gegen sie arbeiten können. Eine Aktie kann steigen und der Call kann trotzdem einen Verlust erzielen, wenn die Bewegung zu langsam erfolgt oder bereits zu viel Erwartung in der Optionsprämie eingepreist war.

Dennoch gibt es einzelne Fälle, in denen ich einen Long Call gezielt einsetze – allerdings nicht als isolierte Spekulation, sondern nur im Rahmen einer bestehenden Strategie. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ich einen Covered Call mehrfach nach unten gerollt habe und befürchte, dass dieser bei einem schnellen Turnaround der Aktie unter Druck geraten könnte.

Um dieses Risiko nach oben teilweise zu offsetten, kaufe ich gelegentlich einen Long Call. In diesem Fall dient der Call also nicht primär dazu, aggressiv auf steigende Kurse zu setzen, sondern als taktische Absicherung gegen eine starke Aufwärtsbewegung innerhalb einer bestehenden Optionsposition.

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